Behind the Scenes - Meet Elsbeth Gisinger_Fessler

Behind the Scenes - Meet Elsbeth Gisinger_Fessler

Woher kommst Du und wie wirkt sich das auf Deine Arbeit aus?

Ich komme aus einem kleinen Dorf in Vorarlberg, aus dem ich eigentlich immer weg wollte. In meiner Arbeit erlebe ich eine Form der räumlichen Entgrenzung und des Eröffnens neuer Räume.  Deshalb ist es eigentlich nicht mehr so wichtig, woher ich komme. Dazu fällt mir ein wunderbares Zitat von Milo Rau ein: „Mit Kunst kannst du Räume schaffen, die Hoffnungsräume sind.“

 

Wie wichtig sind Dir künstlerische Vorbilder? Hast Du ein paar ganz konkrete künstlerische Vorbilder?

Es ist für mich immer ein großes Erlebnis und eine tiefe Freude, wenn ich auf Kunst treffe, die etwas in mir bewegt. So war es beispielsweise mit Eva Hesse, Marina Abramovic, Danica Dakić, Nairy Baghramian, Matthew Barney, Monika Sosnowska und vielen anderen.

 

Foto: Elsbeth Gisinger_Fessler, Zwangsläufig Installation

 

Woher nimmst Du Deine Inspiration?

Inspiration ist für mich eine Art somnambuler Zustand, der gespeist wird von Körpererfahrungen und kognitiven Erkenntnisprozessen.

 

Hat sich Dein Stil in den letzten Jahren geändert?

Obwohl die Arbeiten in Ausführung und Aussage differenziert sein können, bin ich meiner künstlerischen Sprache im Großen und Ganzen treu gebleiben. In den letzten Jahren habe ich mich allerdings verstärkt der Installation und der aktiven Begegnung mit den Betrachterinnen und Betrachtern zugewandt. Darüber hinaus hat die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich philosophischen Fragestellungen als konzeptuelle Grundlage meiner Arbeit immer mehr an Bedeutung gewonnen.

 

Was machst Du normalerweise, wenn Du gelangweilt bist?

Langeweile würde ich persönlich gerne durch den Begriff der Muße oder des Müßiggangs ersetzen. Dann liebe ich es, Klavier zu spielen.

 

Warum ist Kunst in Deinen Augen wichtig für die Gesellschaft?

Kunst ist Seismograph gesellschaftlicher Entwicklungen ebenso wie Hoffnungsgeber in schwierigen Zeiten. Kunst ist ein Kommunikationsmittel, das sowohl im persönlichen Gespräch als auch im gesellschaftlichen Diskurs befruchtend sein kann. Und ich würde mir sehr wünschen, dass Kunst niederschwellig erfahrbar und für viele Menschen zugänglich ist.

 

Wenn Du eine Superkraft hättest, welche wäre das?

Ich kann mir schwer vorstellen, eine Superkraft zu besitzen. Ich denke, das Leben in all seinen Facetten anzunehmen und zu erkennen, dass Kraft auch innere Stärke bedeutet, ist schon « super ».

 

Foto: Elsbeth Gisinger_Fessler, Zwangsläufig_03, 2021 

 

Hörst Du beim Arbeiten Musik? Wenn ja, welche Art von Musik? Hat das auch eine Auswirkung auf Deine Arbeit?

Die Idee verlangt Stille. Bei der Ausführung höre ich hauptsächlich klassische Musik (vornehmlich Bach) oder Jazz, und beim Finale haben Rolando Villazón oder Maria Callas ihren großen Auftritt.

 

Mit welcher berühmten Person, tot oder lebendig, würdest Du Dich gerne unterhalten und worüber?

Da gibt es gleich mehrere. Ich würde mich gerne mit Harald Szeemann über innovative Strömungen in der Kunst unterhalten, mit Gilles Deleuze und Félix Guattari über die Rhizom-Theorie, mit Hartmut Rosa über seine Resonanz-Theorie, mit Maren Urner über die Visionen junger Denkerinnen und Denker, und last but not least mit Rosi Braidotti über Geschlechterrollen und eine Politik der Affirmation.

Back to blog