Lachenmann Art

Male Perspectives from the 90's

James Brown, Ohne Titel, 1990, Öl auf Rückseite einer Landkarte, 84 x 70 cm.
Takehito Koganezawa, o.T., 1998, Öl, Buntstift auf bedrucktem Papier, 26x18 cm
Takehito Koganezawa, o.T., 1999, Öl, Buntstift auf bedrucktem Papier, 26x18 cm
Michael Morgner, Tod und Mensch, 1990, Tusche, Lavage und Asphalt auf Papier, 78x106 cm
Carsten Nicolai, o.T., 1991, Collage, Öl auf Papier, 59 x 68 cm
Chris Newman, o.T., 2012, Acryl und Kohle auf Leinwand, 120x150cm
Chris Newman, Girl Chains, 1997, Acryl auf LW, 150x200cm
Chris Newman, o.T., 001, 2016, Acryl und Kohle auf Leinwand, 50x40cm
Chris Newman, o.T., 002, 2016, Acryl und Kohle auf Leinwand, 50x40cm
Chris Newman, o.T., 003, 2019, Acryl und Kohle auf Leinwand, 50x40cm
Chris Newman, o.T., 004, 2016, Acryl und Kohle auf Leinwand, 50x40cm
Chris Newman, o.T., 2019, Acryl und Kohle auf Leinwand, 150x120cm
Chris Newman, Portrait im Bett, 1996, Öl auf LW, 150x90cm
Don van Vliet, The other end of Dominos, 1986, Öl auf Leinwand, 214x153 cm
Don van Vliet, Trinked Village, 1988, Öl auf Leinwand, 71,5 x 63 cm
Robert Rehfeldt, Skripturale Zeichen, 1984, Sand, Papiermaische, Ölfarbe, Holz,  207 x 128 cm
Robert Rehfeldt, The drawings are good, 1986, Acryl, Kreide, Farbstift auf Papier, 100x70 cm
Robert Rehfeldt, Berlin, 1986, Collage, Briefmarken, Stempel auf Papier
Carsten Nicolai, Transformer, 1997, Zweiteilig, Öl, Papier, Leinwand, 236x83 cm

Male Perspectives from the 90's


Frankfurt  10/12/2021 —17/03/2022

Selected Works by / Ausgesuchte Arbeiten von


James Brown

Takehito Koganezawa

Michael Morgner

Chris Newman

Carsten Nicolai

Robert Rehfeldt

Don van Vliet

Opening reception 21/01/2022

Male Perspectives from the 90's


Die europäische Kunstwelt der 1990er Jahre wurde geprägt von den gesellschaftlichen Umbrüchen, die durch den Fall des Eisernen Vorhangs und die Wiedervereinigung Deutschlands bedingt wurden. Verstärkt wurden multimedialen Mitteln in der Kunst Raum gegeben und konventionelle Kunstmittel verschwanden zunehmend aus der Gestaltungssprache vieler junger Künstlerinnen und Künstler. Über die Atlantikgrenze hinaus entwickelte sich zum Ende des 20. Jahrhunderts somit eine mutige Kunstsprache, die nicht selten explizit soziokulturelle Gegebenheiten thematisierte und postmoderne Strömungen zum Ausdruck brachte.

Letzteres zeigt sich zum Beispiel im fragmentarischen Charakter von Robert Rehfelds Mail-Art-Arbeiten aus der DDR-Zeit und darüber hinaus in einem Aufbegehren gegen totalitäre Systeme, welches als treibende Kraft der Mail-Art-Szene gilt. Aus jenen revolutionären Ansätzen entsprang ebenso eine starke Betonung der Subjektivität, wie sie sich etwa in Chris Newmans Wahrnehmung von Mensch und Raum, sowie in Takehito Koganezawas Darstellungen des Alltäglichen zeigen. Zudem sollten elitäre Vorstellungen von Gattungen aufgebrochen werden, wovon die Arbeiten Don van Vliets und Carsten Nicolais zeugen, welche Klang und Bild zusammenbringen. Gegen tradierte Gattungsvorstellungen wehrte sich auch Michael Morgner, der die klassischen Materialien ablehnte und Asphalt als gestaltendes Mittel in seinen Arbeiten verwendete.

Die Ausstellung ›Male Perspectives from the 90’s‹ bringt die sprengende Kraft der einzelnen Künstler zusammen und lässt somit Dialoge über die Grenzen des eigenen Œuvres hinweg entstehen. Jene sollen in dieser Ausstellung beleuchtet werden und in einer direkten Bezugnahme aufeinander eine Diskussion über die damalige Zeit befeuern. Es reihen sich aussagekräftige Werke aneinander, die sich in einer Zeit des Umbruchs verorten und mediale Neuerungen ebenso in ihre experimentelle Genese einfließen lassen, wie traditionelle Bildmittel und -thematiken. Diese männliche Perspektive auf die Kunst eines ausgehenden Jahrhunderts kann in einer zeitgenössischen Betrachtung unter heutigen Blickweisen neu bewertet und verortet werden.

 

 

James Brown, *1951 Kalifornien- †2020 Mexiko

James Brown setzte sich intensiv mit der Bedeutung des Symbolhaften in der Kunst auseinander und stellte u.a. gemeinsam mit Keith Haring und Jean-Michel Basquiat aus. Er lebte in Kalifornien, Paris, New York, Marokko und Mexiko.

Brown vereint in seinen Werken archaische Symbole aus dem rituellen Kontext indigener Völker Afrikas und Amerikas mit abstrakten und konkreten Formen. Seine Arbeiten zeichnen sich darüber hinaus durch den Einsatz ungewöhnlicher Materialien aus. Bei seinem hier präsentierten Werk nutzt er eine alte Landkarte als Trägermaterial und schreibt sich in Form von blauer Farbe auf der Oberfläche des Bildes ein.

  

Takehito Koganezawa, *1974 Tokyo

Takehito Koganezawa studierte an der Musashino Art University, Tokyo (Japan). Heute lebt und arbeitet er in Berlin.

Seine Arbeiten, denen ein poetisches Konzept zu Grunde liegt, beruhen auf der Wahrnehmung und Beobachtung alltäglicher Objekte - deren Bewegung, Geräuschen und Rhythmen. Sie verkörpern erlebte Momente und Gefühle, die an bestimmte zeitliche und räumliche Bedingungen in Form eines einmaligen Ereignisses geknüpft sind.

  

Michael Morgner, *1942 Chemnitz

Michael Morgner studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

Ende der 1970er-Jahre entwickelte er die Technik der „Lavage“, das partielle Auswaschen von Tusche mittels eines starken Wasserstrahls. Jener Technik wohnt das Moment der Zufälligkeit inne, welches Morgner wiederholt zu neuen Ansätzen innerhalb der eigenen Arbeit inspiriert. Der Künstler bestimmt das Wasser zum Mittel des Malens und setzt dieses über große Mengen innerhalb der Werkgenese ein. In seinen Arbeiten werden Grundprobleme der menschlichen Existenz und die Auseinandersetzungen zwischen dem Individuum und der Gruppe reflektiert.

  

Chris Newman, *1958 London

Chris Newman ist ein experimenteller Grenzgänger zwischen den Sparten der Musik, Malerei, des Videos, der Zeichnung und Literatur. Seit Anfang der achtziger Jahre komponiert Newman Konzerte und Musikperformances für Festivals und Radioproduktionen sowie orchestrale Auftragswerke. Seit 1989 widmet er sich der Malerei.

In der Folge entstehen seit 1994 Installationen, die in Form von Live-Installationen und installierten Konzerten zwei verschiedene Medien miteinander kombinieren, welche sich wechselseitig bestärken. In jüngster Zeit präsentiert er seine Gemälde verstärkt skulptural und installativ, zerschneidet die Leinwände und näht sie versetzt zusammen.

  

Carsten Nicolai, *1965 Chemnitz

Carsten Nicolai studierte zunächst Landschaftsarchitektur in Dresden (1985-1990). Er zeigt seine Arbeiten bereits seit 1986 als Bildender Künstler in namhaften Galerien, Städtischen Kunstsammlungen, internationalen Museen und zum Beispiel auch auf der documenta in Kassel und der Biennale in Venedig.

Seit 2015 arbeitet er als Professor für Kunst mit Schwerpunkt digitale und zeitbasierte Medien an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Als Musiker ist Nicolai unter seinem Pseudonym Alva Noto einer der bekanntesten Vertreter der zeitgenössischen elektronischen Musik. Heute lebt er in Berlin und Chemnitz.

Er ist Teil einer Künstlergeneration, die intensiv im Übergangsbereich zwischen Musik, Kunst und Wissenschaft arbeitet. In seinem Werk versucht er, die Trennung der Sinneswahrnehmungen des Menschen zu überwinden, indem er Lichtfrequenzen und akustische Signale für Augen und Ohren wahrnehmbar macht.

Seine Arbeiten befinden sich in einer großen Anzahl internationaler öffentlicher Sammlungen und er ist Preisträger zahlreicher Stipendien und Gewinner internationaler Preise.

  

Robert Rehfeldt *1931 Stargrad - †1993 Berlin

Robert Rehfeldt studierte von 1948-1953 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin und war zunächst als Bildjournalist, Grafiker und Pressezeichner tätig. Seit 1963 arbeitete er freischaffend als experimenteller Künstler und wurde Mitglied im Verband Bildender Künstler der ehem. DDR, worüber er viele baugebundene Aufträge erhielt.

Anfang der 1970er Jahre lernte er die internationale Mail-Art-Szene kennen und engagierte sich stark im Bereich der Netzkunst. Robert Rehfeldt baute ein imponierendes Kontaktnetz zwischen West- und Osteuropa, den USA und Lateinamerika auf und befand sich mit bedeutenden Zeitgenossen im postalischen Kunstaustausch, wie z.B. mit Nam June Paik, Robert Filiou, Dick Higgins und anderen. Daraus resultierte 1975 die erste Mail-Art-Ausstellung der ehem. DDR, nachdem Rehfeldt Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt um die Gestaltung und den Versand einer Postkarte bat, mit welchen er die Ausstellung realisierte.

Neben dem umfangreichen grafischen Werk, welches er erzeugte, widmete er sich ebenso u.a. der Photographie und dem Super-8-Film. Darüber hinaus schuf er mehrere große Skulpturengruppen.

 

 

Don van Vliet, * 1941 Glendale, Kalifornien - † 2010 Arcata, Kalifornien

Don van Vliet war ab den späten 1960er Jahren unter dem Pseudonym Captain Beefheart für seine experimentelle Rockmusik bekannt. Ab 1985, mit Beendigung der Karriere als Musiker, verstand er sich als Maler, Autor, Dichter und Komponist und wurde als erfolgreicher Maler gefeiert. Mit Beginn der 1990er Jahre zog sich Don Van Vliet vollständig aus der Öffentlichkeit zurück

Auch wenn er der Musik in den 80er Jahren bereits den Rücken gekehrt hatte, erweckte er sie in seinen Bildern in neuer Gestalt zum Leben. In seinen lebhaften Kompositionen klingen die Farben zusammen. Gestus, Farbe und Fläche scheinen wie die Saiten einer Gitarre zu vibrieren und ihren eigenen Klang zu erzeugen.



Male Perspectives from the 90's

The European art world of the 1990s was shaped by the social upheavals caused by the fall of the Iron Curtain and the reunification of Germany. Increasingly, new territories were being discovered in art by way of multimedia tools while conventional artistic means disappeared more and more from the creative language of many young artists. Thus, beyond the Atlantic border, a bold artistic exchange developed at the end of the 20th century, which often explicitly addressed socio-cultural conditions and manifested postmodern trends.

 

The latter can be seen, for example, in the fragmentary character of Robert Rehfeld's mail-art works from the GDR period and, beyond that, in a rebellious act against totalitarian systems, which is considered the driving force of the mail-art scene. A strong emphasis on subjectivity also emerged from these revolutionary approaches, as can be seen, for example, in Chris Newman's perception of people and space, as well as in Takehito Koganezawa's depictions of the everyday. In addition, elitist notions of genre were to be broken up, as evidenced by the works of Don van Vliet and Carsten Nicolai, which themselves intertwine sound and image. Michael Morgner also resisted traditional notions of genre, rejecting classical elements and using asphalt as a creative medium in his works.

 

The exhibition ›Male Perspectives from the 90's‹ unites the disruptive power of the individual artists and thus allows dialogues to emerge across the boundaries of their own oeuvres. These are to be spotlighted in this exhibition and, in a direct reference to each other, fuel a discussion about the time back then. Expressive works are lined up one after the other reflecting an era of upheaval and allowing medial innovations to flow into their experimental genesis just as much as traditional pictorial means and themes. This male perspective on the art of the end of the 20st century can be re-evaluated and re-located in a contemporary view from today's perspectives.

 

 

James Brown, *1951 California- †2020 Mexico

James Brown dealt intensively with the significance of symbols in art and exhibited together with Keith Haring and Jean-Michel Basquiat, among others. He lived in California, Paris, New York, Morocco and Mexico. 

In his art, Brown combines archaic symbols from the ritual context of indigenous peoples in Africa and the Americas with abstract and concrete forms. His works are also characterized by the use of unusual materials. In his painting presented here, he uses an old map as a support material and inscribes himself on the surface of the picture in the form of blue paint.

   

Takehito Koganezawa, *1974 Tokyo

Takehito Koganezawa studied at Musashino Art University, Tokyo (Japan). Today he lives and works in Berlin.

His works, which are based on a poetic concept, derive from the perception and observation of everyday objects - their movement, sounds and rhythms. They embody experienced moments and feelings that are linked to specific temporal and spatial conditions in the form of a unique event.

  

Michael Morgner, *1942 Chemnitz

Michael Morgner studied at the Academy of Visual Arts in Leipzig.

At the end of the 1970s he developed the technique of "lavage", a partial washing out of ink by means of a strong jet of water. This technique has an inherent moment of randomness, which repeatedly inspires Morgner to new approaches within his own work. The artist determines water as a means of painting and uses it in large quantities within the genesis of his work. His works reflect basic problems of human existence and the conflicts between the individual and the group.

  

Chris Newman, *1958 London

Chris Newman is an experimental border crosser between the fields of music, painting, video, drawing and literature. Since the early 1980s, Newman has composed concerts and musical performances for festivals and radio productions as well as commissioned orchestral works. Since 1989 he has devoted himself to painting. 

Subsequently, since 1994, he has created installations that combine two different media in the form of live installations and installed concerts, which mutually reinforce each other. Recently, he has increasingly presented his paintings sculpturally and installatively by cutting up the canvases and sewing them back together. 

 

Carsten Nicolai, *1965 Chemnitz

Carsten Nicolai first studied landscape architecture in Dresden (1985-1990). He has been showing his work as a visual artist since 1986 in renowned galleries, municipal art collections, international museums and, for example, at the documenta in Kassel and the Venice Biennale. 

Since 2015, he has been working as a professor of art with his focus on digital and time-based media at the Hochschule für Bildende Künste in Dresden. As a musician, aka Alva Noto, Nicolai is one of the best-known representatives of contemporary electronic music. Today he lives in Berlin and Chemnitz.

He is part of a generation of artists who work intensively in the transitional area connecting music, art, and science. In his work, he tries to overcome the separation of human sensory perceptions by producing light frequencies and acoustic signals perceptible to the eyes and ears.

His work can be found in a large number of international public collections, and he is the recipient of numerous grants and winners of international awards.

Robert Rehfeldt *1931 Stargrad - †1993 Berlin 

Robert Rehfeldt studied at the Hochschule für Bildende Künste in Berlin from 1948 to 1953 and initially worked as a photojournalist, graphic artist, and press draftsman. From 1963 he worked as a freelance experimental artist and became a member of the Association of Visual Artists of the former GDR, which enabled him to receive work contracts and commissions from government bodies and agencies in respect of building and construction related art (public art).

In the early 1970s, he became acquainted with the international mail art scene and thereafter strongly involved in the field of net art. Robert Rehfeldt built up an impressive network of contacts between Western and Eastern Europe, the USA and Latin America and engaged in postal art exchanges with important contemporaries such as Nam June Paik, Robert Filiou, Dick Higgins, and others. This resulted in the first Mail Art exhibition in the former German Democratic Republic in 1975, after Rehfeldt got artists from all over the world to design and send him a postcard.

In addition to the extensive graphic work he produced, he as well devoted himself to photography and Super 8 film, among other things. He also created several large sculpture groups.

  

Don van Vliet, * 1941 Glendale, California - † 2010 Arcata, California

 Don van Vliet was known for his experimental rock music from the late 1960s under the pseudonym Captain Beefheart. From 1985, when his career as a musician ended, he saw himself as a painter, author, poet, and composer and was celebrated as a successful painter. At the beginning of the 1990s, Don Van Vliet withdrew completely from the public eye. 

Even though he had already turned his back on music in the 1980s, he brought it back to life through a new form in his paintings. The colors ring together in his lively compositions. Gesture, color, and surface seem to vibrate like the strings of a guitar producing their own sound.

 

 

 

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